Nachhaltiges Veranstaltungsmanagement und CO2-Fußabdruck

Hans Rück | VDR

Der Dekan des renommierten Fachbereichs Touristik/Verkehrswesen an der Hochschule Worms lehrt Eventmanagement und Marketing. Im Interview beantwortet er aktuelle Fragestellungen im Hinblick auf die Berichtspflicht der größeren Unternehmen zur Corporate Social Responsibility und wie dies im Veranstaltungsbereich umgesetzt werden kann.

Was müssen die Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit schon jetzt und in Zukunft bezüglich der CSR-Berichtspflicht beachten?

Nachhaltigkeit ist ein zentrales Element der Corporate Social Responsibility (CSR). Seit 2017 gilt in Deutschland für börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern die CSR-Berichtspflicht: Unternehmen müssen Rechenschaft ablegen über ihr Engagement für ökologische und soziale Belange. Der CO2-Fußabdruck eines Unternehmens wird auch durch die Art und Anzahl der Veranstaltungen beeinflusst, die ein Unternehmen pro Jahr durchführt.

Präsenzveranstaltungen sind nach wie vor wichtig – aber wie sieht es mit dem CO2-Fußabdruck bzw. der Kompensation bei diesen Veranstaltungen aus?

Gerade die Pandemie hat uns gelehrt, dass Präsenzveranstaltungen nach wie vor unverzichtbar sind. Wir müssen uns allerdings besser als zuvor überlegen, welche dieser Veranstaltungen wirklich in Präsenz stattfinden müssen und wo wir sie am besten durchführen, sodass ihr CO2-Fußabdruck möglichst klein wird. Denn der „Dreisatz“ der Nachhaltigkeit lautet: 1. Vermeiden; 2. Verringern; 3. Kompensieren. Vermeiden geht immer vor und Kompensieren ist immer die Letztbestlösung!

Wie bewerten Sie die Berechnungen der Anbieter für die Messung des CO2-Fußabdrucks?

Die Hochschule Worms hat Klimarechner in einer Studie miteinander verglichen. Die errechneten CO2-Fußabdrücke für ein und dieselbe Veranstaltung unterschieden sich um bis zu 25 Prozent voneinander, und ausgerechnet bei den wichtigsten Emissionsquellen (An-/Abreise, Übernachtung und Catering) betrugen die Abweichungen bis zu 100 Prozent. Das Problem ist: Für die Berechnung des CO2-Fußabdrucks gibt es bisher keine einheitliche Formel. Jeder Klimarechner rechnet anders. Das darf so nicht bleiben!

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die Festlegung von Standards zur Berechnungsmethode für eine bessere Vergleichbarkeit?

Eine einheitliche Berechnungsmethode ist ganz entscheidend für die Akzeptanz des CO2-Fußabdrucks als Maß für Nachhaltigkeit. Hier muss die Industrie aktiv werden und einheitliche Standards durchsetzen. Die Klimarechner werden ihre Formeln nicht von selbst angleichen.

Wie lautet Ihre Handlungsempfehlung an EventmanagerInnen?

Rund zwei Drittel der Emissionen einer Veranstaltung entfallen im Durchschnitt auf die An- und Abreise. Deswegen ist die Wahl des Veranstaltungsorts von entscheidender Bedeutung für die Nachhaltigkeit einer Veranstaltung. Man sollte zentral gelegene, mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbare Veranstaltungsorte bevorzugen. Außerdem gilt es, alle Möglichkeiten der Digitalisierung auszuschöpfen, um Emissionen zu senken. Hierzu hat das German Convention Bureau mit seinem BOCOM-Projekt wichtige Impulse gegeben (www.gcb.de).
 

Der VDR hat die entstandenen Emmissionen für seine Tagung im Mai 2022 in Köln Dank ClimatePartner ausgeglichen und die Veranstaltung klimaneutral gestellt. Hier finden Sie weitere Informationen zum unterstützen Klimaschutzprojekt.

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Verena Pingel | VDR
Verena PingelReferentin Digitales Marketing
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