PwC-Umfrage: Reduziertes Geschäftsreiseaufkommen erwartet, Reiserichtlinien im Fokus

Nachhaltigkeit | Verband Deutsches Reisemanagement e.V. (VDR)

Die COVID-19-Pandemie hat den Reiseverkehr weltweit ausgebremst. Berufliche Reisen fanden seit Beginn der Corona-Krise deutlich seltener statt. Auch für die nächsten zwölf Monate erwartet die Mehrheit der deutschen Unternehmen eine Reduzierung ihres Reiseaufkommens um durchschnittlich 36 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau. Zudem fließen immer mehr pandemisch, aber auch ökologisch bedingte Überlegungen in die Planung von Dienstreisen ein.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland unter 152 Unternehmen ab 500 Beschäftigten und mit verbindlicher Reiserichtlinie. 

89 Prozent der Unternehmen reduzieren Reisekosten im Schnitt um zwei Drittel

Der Besuch einer Veranstaltung, Konferenz oder Fortbildung ist in 86 Prozent der Unternehmen einer der Hauptgründe für eine geschäftlich bedingte Reise. Darüber hinaus sind das Projektgeschäft und die Montage beziehungsweise Inbetriebnahme für 70 Prozent der Firmen ein wichtiger Anlass für eine Dienstreise. 89 Prozent der befragten Unternehmen verzeichnen seit 2019 eine deutliche Reduzierung ihrer Reisekosten, im Schnitt um 66 Prozent. Nur 28 Prozent der Unternehmen sind zuversichtlich, in 2022 das Vor-Corona-Niveau wieder zu erreichen.

War im Sommer noch ein leichter Aufwärtstrend in Sicht, wirkt sich nun jede neue Virusvariante wiederholt einschränkend auf die Reiseaktivitäten aus.

Buchungszahlen für Flug- und Bahnreisen brechen ein

Vor allem dienstliche Flugreisen und Reisen mit der Bahn und öffentlichen Verkehrsmitteln entfielen in den vergangenen Pandemiemonaten. 68 Prozent der Unternehmen berichten von einem Rückgang an Dienstflügen; sie reduzierten ihre Flugreisen um durchschnittlich 73 Prozent. Bei rund jedem vierten Unternehmen erfolgte sogar eine Reduzierung um 81 bis 100 Prozent. Reisen mit Bahn und ÖPNV reduzierte mehr als die Hälfte der Unternehmen (54 Prozent), dies im Schnitt um 58 Prozent. Der Einbruch der Buchungszahlen ist unabhängig von der Branche oder der MitarbeiterInnenanzahl. 

Geschäftsreisende nutzen vermehrt Privat- oder Dienstwagen

Die Verwendung von Privat- und Firmenwagen für Dienstreisen zeigt hingegen ein gemischtes Bild: Zwar berichten 28 Prozent der Unternehmen, Privat- und Firmen-Pkw weniger zu nutzen; bei einem Drittel (34 Prozent) gab es jedoch im Schnitt einen Zuwachs um 38 Prozent über die letzten zwölf Monate. Mietwagen wurden bei fast jedem dritten Unternehmen (31 Prozent) um durchschnittlich 75 Prozent weniger genutzt.

Virtuelle Alternativen werden viele Geschäftsreisen ersetzen 

Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate gehen zwei von drei Befragten davon aus, dass das Volumen der Geschäftsreisen nicht wieder das Niveau der Vorkrisenzeit erreichen wird, sondern durchschnittlich 36 Prozent unter dem Wert von 2019 verbleibt. 

So geht ein Großteil der Unternehmen (61 Prozent) davon aus, dass Inlandsreisen weitgehend durch digitale Veranstaltungsformate ersetzt werden. Fast jedes zweite (47 Prozent) rechnet damit, dass virtuelle Alternativen auch immer häufiger an die Stelle von dienstlichen Auslandsreisen treten werden. 

Mehrheit der Unternehmen ändert Reiserichtlinien wegen COVID-19

Die Pandemie hat vor allem bei großen Unternehmen ab 2.000 MitarbeiterInnen zu Veränderungen in den Vorschriften und Genehmigungsregeln von Dienstreisen geführt (71 Prozent). Bei Unternehmen unter 2.000 MitarbeiterInnen integrierte jedes zweite (55 Prozent) Pandemieaspekte wie beispielsweise das Verhalten beim Bereisen von Risikogebieten in die Richtlinien. Jede zweite Organisation berücksichtigt derzeit Aspekte wie das Gebot (21 Prozent) oder die Empfehlung (33 Prozent), bestimmte Dienstreiseanlässe durch digitale Formate zu ersetzen. 44 Prozent der Unternehmen haben hierzu jedoch weiterhin keine konkreten Regelungen.

Carbon Footprint ist selten handlungsweisend für Dienstreisen

Nur ein Drittel der befragten Firmen (35 Prozent) ermittelt den ökologischen Fußabdruck von Geschäftsreisen. Weitere 13 Prozent planen, ein Tool für die Messbarkeit zu implementieren – 45 Prozent der Befragten schließen eine solche Einführung aus. So existiert in jedem zweiten Unternehmen die Vorgabe, dass die günstigste Reisevariante gewählt werden muss oder dies zumindest empfohlen wird. Unter diesem Aspekt werden ökologische Vorgaben und Ziele eher als nachrangig betrachtet. 

Unabhängig von der konkreten Ermittlung des Carbon Footprint hat sich die große Mehrheit der Unternehmen strategische ökologische Ziele gesetzt, die sich auch auf die Ausgestaltung der Reisetätigkeit auswirken. So geben 62 Prozent der Befragten an, dass sie die Nutzung elektrischer Antriebe ausbauen. 35 Prozent setzen auf den Wechsel von Flugreisen hin zur Beförderung mit der Bahn oder öffentlichen Verkehrsmitteln. 28 Prozent haben sich vorgenommen, den Anteil von Carsharing und E-Rollern zu erhöhen. 

Nur jedes vierte Unternehmen hat KPIs für ökologische Ziele definiert 

Allerdings hat erst jedes vierte Unternehmen, das Umweltziele bei der Ausgestaltung seiner Geschäftsreisen berücksichtigt, auch konkrete Erfolgskennzahlen definiert, um die Erreichung der Ziele zu messen. Zu den gängigen Key-Performance-Indikatoren (KPIs) zählen der CO2-Ausstoß, die Auslastung des Firmenwagen-Pools oder der Anteil an E-Fahrzeugen.

Jedes zweite Unternehmen (51 Prozent) geht bereits heute davon aus, dass Bonusprogramme der Reiseanbieter in den Hintergrund treten werden und stattdessen entsprechende Anreize für nachhaltigeres Reisen geschaffen werden. 

(Quelle: PwC Deutschland)

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