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In Zeiten von Terror, Trump und Brexit: Biehl empfiehlt in hochkarätig besetzter Expertenrunde eine sorgfältige Reisevorbereitung

Deutsche Reisende sind privilegiert, eine sorgfältige Vorbereitung der Geschäftsreisen empfiehlt sich stärker denn je, und Unternehmen sollten anfangen, sich auf einen harten Brexit vorzubereiten – das sind die zentralen Aussagen des Kundenforums von American Express Global Business Travel. Zum Thema „Terror, Trump und Brexit“ hatte der Geschäftsareiseanbieter in der zweiten Oktoberhälfte hochkarätige Fachleute auf die Bühne in Frankfurt am Main gebeten. Mit dabei: VDR-Hauptgeschäftsführer Hans-Ingo Biehl. Sicherheit, Veranstaltungen
In Zeiten von Terror, Trump und Brexit: Biehl empfiehlt in hochkarätig besetzter Expertenrunde eine sorgfältige Reisevorbereitung    VDR-Service GmbH

Hans-Ingo Biehl, Alexander Graf Lambsdorff, Moderator Florian Storp, John Kornblum,
Dunja Hayali und Jürgen Siebenrock (v.l.)


Die vielreisende Fernsehjournalistin Dunja Hayali wies in ihrem einführenden Vortrag auf die Ambivalenz des gegenwärtigen geschäftlichen Reisens hin. Zum einen berechtige der deutsche Pass zur Einreise in 176 Länder, mehr als jeder andere Pass der Welt. Gleichzeitig werde sie als allein reisende Deutsche mit schwarzen Haaren und braunen Augen an Flughäfen regelmäßig zur Kontrolle aus der Schlange gebeten. Ihr Fazit: Auf der einen Seite ist Reisen einfach und komfortabel wie nie, beispielsweise durch Buchungs-Apps, digitale Bordkarten und Tracking-Software, auf der anderen Seite unvorhersehbarer als je zuvor, zum Beispiel durch Terror und Entführungen. Oder, auf eine Formel gebracht: „Nicht Reisen ist schwieriger geworden. Einreisen ist schwieriger geworden.“

John Kornblum, ehemaliger US-Botschafter in Deutschland, erklärte die gegenwärtige Ambivalenz des Reisens mit einer Formel: Jede Erleichterung des Reisens führe zu einer Gegenreaktion. Anfang des 20. Jahrhunderts sei es für Betuchte möglich gewesen, ohne Pass durch Europa zu reisen – die Entwicklung der Nationalismen seien parallel zur Ausbreitung des Reisens in die ganze Gesellschaft verlaufen. Gegenwärtig sei Reisen erneut sehr einfach und führe unter anderem zu Unruhe und Gegenwehr. Gleichzeitig wies Kornblum freundlich darauf hin, dass die europäische Kritik an den USA und Donald Trump sehr subjektiv gefärbt sei. Das Gefühl, alles werde schwieriger, sei aber erstens nicht wahr. Und zweitens komme das Gefühl nicht nur aus den USA. „Wir sind in einer neuen Ära, nicht wegen Trump oder der AfD, sondern weil die Welt in Aufruhr ist“, sagte er. Insgesamt sei die Welt viel sicherer als vor 30 Jahren – weil aber die Terroristen neue Methoden anwenden, sei die Unsicherheit in der Gesellschaft gestiegen.

Zur Unsicherheit trägt auch der anstehende Brexit bei. Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union könnte die Reiselandschaft in naher Zukunft drastisch verändern, prognostizierte Alexander Graf Lambsdorff, Vizepräsident des Europäischen Parlaments. Die Möglichkeit, dass mit dem Ende der EU-Mitgliedschaft am 31. März 2019 die Vertragsgrundlage für den Flugverkehr zwischen dem Königreich und den EU-Staaten fehlt, hält er für denkbar. Dazu komme: Niemand wisse, was die US-Amerikaner den Briten zugestünden, wenn sie aus dem EU-Verbund ausgeschieden seien. Graf Lambsdorff nahm die Entwicklungen zum Anlass, eine Lanze für offene Märkte zu brechen: Offene Märkte würden oft viel zu leichtfertig kritisiert, sagte er, aber gerade die Luftfahrt lebe von ihnen, eben davon, dass Reisen möglich sei, ohne dass den Menschen Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Voraussetzung allerdings sei der politische Goodwill – und da seien beim Brexit derzeit alle Frage offen.

Jürgen Siebenrock, Vice President Sales & Global Key Account Management der Deutschen Lufthansa, wies auf eine weitere Ambivalenz hin: Alle reden über die neuen Schwierigkeiten des Reisens – und reisen. Die Lufthansa jedenfalls registriere grundsätzlich keine Auswirkungen der gegenwärtigen nationalen Abschottungstendenzen auf die Reisenachfrage. Man suche den persönlichen Kontakt, um den anderen besser zu verstehen. Allenfalls in der Touristik gebe es kurzfristig Schwankungen, insgesamt aber halte der Boom an. Für den Brexit fordert er Goodwill ein: „Wir müssen mit gutem Willen arbeiten und die Schärfe aus dem Thema nehmen“, sagte er. „Die Unternehmen in Großbritannien haben das erkannt.“

Alle Teilnehmer des Podiums erwarten, dass Reisen in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Gerade deshalb, so Hans-Ingo Biehl, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutsches Reisemanagement, „wird die detaillierte Vorbereitung auf Geschäftsreisen noch notwendiger“. Ein Großteil der Unternehmen in Deutschland habe noch Nachholbedarf, sagte er, da oft genug nur bis zum Werkstor gedacht werde. „Für Geschäftsreisende fängt die Herausforderung aber am Werkstor erst an.“

Quelle: Pressemitteilung von American Express Global Business Travel

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René Vorspohl | VDR
René VorspohlPR & Kommunikation | Pressesprecher