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Neujahrsbotschaft des VDR-Präsidenten: Wirtschaftsstandort Deutschland braucht Verlässlichkeit

2018 war für deutsche Unternehmen und ihre Geschäftsreisenden kein einfaches Jahr. Das klingt, schaut man auf die Zahlen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, zunächst paradox. Das Bruttoinlandsprodukt ist solide gewachsen und auch die Geschäftsreisetätigkeit der Firmen ist unvermindert hoch. Bundes- und Europapolitik, Flug, VDR
Neujahrsbotschaft des VDR-Präsidenten: Wirtschaftsstandort Deutschland braucht Verlässlichkeit VDR-Service GmbH

Das sprichwörtliche Wasser im Wein ist ein Phänomen, das viele Menschen in Deutschland mittlerweile tagtäglich erleben: Verkehrsmittel sind unzuverlässiger geworden. Verspätungen und Ausfälle von Flug- und Bahnverbindungen, lange Wartezeiten an Sicherheitskontrollen sowie kilometerlange Staus auf den Autobahnen gehören inzwischen für die meisten Reisenden zum Alltag.

Laut Flugdatenbank des Fluggastrechteportals EUclaim hat das vergangene Jahr alle Negativrekorde gebrochen. Im Durchschnitt gab es pro Tag rund 100 Problemflüge in Deutschland. Auch andere Zahlen sind besorgniserregend: Im gesamten Jahr 2018 wurden über 29.000 Flüge gecancelt, zudem sind mehr als 8.500 Flüge mit mehr als drei Stunden Verspätung gelandet. Die Schwierigkeiten am Himmel betrafen mit dem Lufthansa-Konzern auch den wichtigsten Airline-Verbund im deutschsprachigen Raum. Im Oktober beklagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister im „Hamburger Abendblatt“ den konzernweiten Ausfall von etwa 18.000 Flügen – was einer zweiwöchigen Schließung des größten Lufthansa-Drehkreuzes in Frankfurt entspräche. Unabhängig von der Frage nach den Verantwortlichkeiten in diesem Chaos teile ich Harry Hohmeisters Sorgen um das Image des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Zuverlässigkeit und Verlässlichkeit haben in den vergangenen Monaten so stark gelitten wie selten zuvor in einem vergleichbaren Zeitraum.

Klar ist: Der Luftverkehr in Deutschland ist ein komplexes System, in dem viele Zahnräder ineinandergreifen: Neben den Flughäfen und den Airlines etwa Behörden, Sicherheitsdienstleister, die Bundespolizei und die Flugsicherung. Die Probleme sind vielfältig, die Lösungen selten trivial und die Verursacher nicht immer eindeutig zu benennen. Gerne wird der „Schwarze Peter“ unter den Beteiligten weitergereicht. Fest steht: Wir brauchen keine Schuldzuweisungen, sondern müssen gemeinsam an einer Lösung der Probleme arbeiten. Der Luftfahrt-Gipfel war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Leider ist der verabschiedete Maßnahmenplan noch überraschend unkonkret und enthält Punkte, die wenig Neues bieten. Damit die vereinbarten Schritte keine bloßen Lippenbekenntnisse blieben, ist es wichtig, nun das Tempo anzuziehen und einen konkreten Zeitplan für deren Umsetzung vorzulegen.

Der VDR ist gerne bereit, seine Expertise in den Dialog einzubringen, denn: Je länger Geschäftsreisende etwa an ineffizienten Sicherheitskontrollen warten müssen, desto größer ist der Produktivitätsverlust für Unternehmen. Ausfälle und Verspätungen von Verkehrsmitteln gefährden ganze Dienstreisen und damit auch deren unternehmerische Zwecke. Was viele vergessen: Geschäftsreisen sind ein immenser Wertschöpfungsfaktor. Deutsche Unternehmen geben für Reisen ihrer Mitarbeiter jährlich mehr als 50 Milliarden Euro aus. Das betriebliche Mobilitätsmanagement kümmert sich um die Interessen der Unternehmen und der Mitarbeiter in Fragen der Nachhaltigkeit, Sozialverantwortung, Sicherheit, Datenschutz und Kosteneffizienz. Da ist nur logisch: Wo Reisehindernisse entstehen, wird Business bald nicht mehr „as usual“ funktionieren.

Für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist eine leistungsfähige und verlässlich funktionierende Verkehrsinfrastruktur – auf der Straße, auf der Schiene und in der Luft – essentiell. Zudem bedarf es einer besseren Kundenorientierung und Wertschätzung, einer schnellen und vertrauenswürdigen Kommunikation und weniger Bürokratie.

Packen wir es an - mit dem nötigen Mut, der nötigen Zuversicht und Entschlossenheit!

Erlauben Sie mir, zum Schluss noch einige persönliche Worte an Sie zu richten: Diese Neujahrsbotschaft ist mein letzte als VDR-Präsident. Wie bereits kommuniziert, habe ich mich nach reiflicher Überlegung schweren Herzens entschieden, bei den Wahlen zum Präsidium des VDR im Jahr 2019 nicht mehr zu kandidieren. Leider konnte ich zuletzt mein Ehrenamt immer schwerer mit meinen persönlichen und beruflichen Verpflichtungen in Einklang bringen. Die Präsidiumsarbeit und der Austausch mit Ihnen, den Verbandsmitgliedern und Fachkollegen, aber auch Partnern, politischen Entscheidungsträgern und Medien hat mir immer sehr große Freude bereitet. Ich bedanke mich bei Ihnen allen sehr herzlich für die vielen inspirierenden Momente der vergangenen Jahre und freue mich ganz besonders darauf, Sie in Berlin bei der diesjährigen Frühjahrstagung und Jahreshauptversammlung zu treffen.

Herzlichst

Ihr Dirk Gerdom

VDR-Präsident

Sprechen Sie mich gerne an!

René Vorspohl | VDR
René VorspohlPR & Kommunikation | Pressesprecher