Geschäftsreisen in der „Zwischenwelt“: Von Alltagsmasken und Einbahnstraßen-Frühstück

Wie schnell man sich daran gewöhnt, dank Homeoffice, eine Stunde länger schlafen zu können, weil ich mir 45 Minuten Arbeitsweg spare, merke ich heute. Der Wecker klingelt bereits um 5.20 Uhr, da meine erste Dienstreise in der Corona-Zwischenwelt ansteht. Auf dem Weg zum Bahnsteig - Maske auf – stelle ich fest: es ist kaum einer da! Vor Corona füllte sich der S-Bahnhof kurz vor 6 Uhr mit vielen Pendlern – heute ist das eine überschaubare Gruppe.

Was sich nicht geändert hat: es kommt nach wie vor eine "alte" Zuggarnitur daher. Eigentlich sollten hier die modernen S-Bahnen eingesetzt werden. Aber wahrscheinlich sind die noch in Quarantäne. Platz zum Abstand halten ist damit auch in der S-Bahn mehr als genug und ich fasse mal vorsichtshalber nichts an, denn so sauber erscheint mir das alles nicht – wie früher halt.

Ich fahre sicherheitshalber immer eine S-Bahn früher, um zu meinem Anschlusszug nicht hetzen zu müssen. Mit einem kurzen Besuch in der DB-Lounge ist die Zeit meist gut zu verbringen. Aber – was stelle ich jetzt fest: in Zeiten von Corona müsste ich ein Kontaktformular ausfüllen. Darauf habe ich gerade keinen Bock. Zudem reicht die Zeit dann wahrscheinlich gar nicht mehr für einen Kaffee. Na ja, das kann ich im Zug ja nachholen. Aber halt – weitere neue Erkenntnis: die Preise in der Bordgastronomie wurden angehoben! Dafür bekommt man nun 2,5 Prozent Rabatt. Aha – insgesamt kostet es nun aber mehr als noch im März. Dann halt Kaffee aus einem Bahnhofscafé. Rauf zum Bahnsteig – kaum Menschen – keine Massen, sondern wieder eine überschaubare Gruppe.

Abstandhalten kein Problem – auch beim Einsteigen nicht. Im Wagen funktioniert die Sitzplatzreservierungsanzeige nicht – auch nichts Neues. Aber bei fünf Menschen im Waggon ist das kein Problem. Beim Komfort-Check-in fällt mir eine erfreuliche Neuerung auf: ich kann meinen Sitzplatz nach dem Check-in nochmal ändern. Das tue ich auch, denn ich gönne mir die 2er Reihe – mit mehr Platz. Funktioniert! Nervig ist das Maskentragen. Die Brille läuft dauernd an. Und bei jedem Schluck Kaffee: Maske ab und dann wieder an. Was mir insgesamt auffällt – nicht jeder weiß, was "Mund-Nasen-Schutz" heißt. Die Nase wird von manch einem nicht bedeckt oder das Teil dient mehr als Kette.

So, jetzt ist mal wieder das WLAN weg... wie vor Corona! Und jetzt ist alles weg – auch das Netz... und wieder… Sauber sind hingegen die Toiletten. Das mag nun an der Reinigung liegen oder dass einfach weniger Passagiere da sind. So, Frankfurt pünktlich erreicht und auch hier – wenig Leute... Jetzt geht's in einen kleinen Workshop mit Abstand – bei dem eine Videokonferenz keine Alternative ist.

Mein präferiertes Hotel in Frankfurt ist leider noch geschlossen, wie 40 Prozent aller Hotels in Deutschland. Der erste Eindruck im Hotel: Markierungen (die Pfeile für die Wegrichtung sehr klein) Hinweise, Plexiglas – wenig Menschen. Der Mitarbeiterin an der Rezeption hängt der Mund-Nasenschutz wie eine Kette am Hals, aber Schutz bietet ja das Plexiglas – mit "Loch" unten. Den desinfizierten Kugelschreiber leg ich nach Gebrauch wieder in den Behälter für "desinfiziert" – bin bislang ja auch nicht infiziert, das weiß der Behälter. Im Aufzug soll ich nun alleine fahren – kein Problem – außer mir ist ja keiner da. Im Zimmer ist alles aufgeräumt, aber ob desinfiziert wurde oder nicht - keine Ahnung!

Die Minibar ist leer. Im Zimmer gereinigt wird nur auf Anforderung. Mir egal – bleibe ja nur eine Nacht. Gewöhnungsbedürftig: meinen Rotwein muss ich aus dem Pappbecher trinken – wie in meinen Jugendjahren. Zumindest erübrigt sich hier das desinfizieren – ich mach es innerlich.

Und jetzt zu meinem Lieblingsthema – auch schon vor Corona! Schaut sich jemand eigentlich mal die Duschkabinen in den Bädern an? Liebe Freunde in der Hotellerie: Bei dem Zustand mancher Duschkabinen hilft auch desinfizieren nicht mehr...

Frühstück gibt es als Buffet – mit Pfeilen, Einbahnstraßenregelung, Handschuhen und strenger Anweisung durch das Personal, wie man sich zu verhalten hat. Aber Achtung – immer Mundschutz auf und ab. Nehmt vorher mal die Serviette, sonst findet ihr Reste des Frühstücks danach in der Maske wieder – als Wegzehrung.

Was interessant ist – seit Tagen funktionierte meine Corona-App nicht – jetzt auf einmal wieder... Kleine Wunder auf Reisen. Dann geht`s ins Office – mit Abstand!

Zum Ende meines Termins bekomme ich die Meldung, dass auf der Bahnstrecke für die Heimfahrt ein Oberleitungsschaden ist. Das ist doch genau wie vor Corona! Es ist immer was los. Und das Ende vom Lied: 85 Minuten Verspätung – ich bin massiv beeindruckt wie beständig die DB ist. Durch die lange Fahrtzeit komme ich, trotz Maske, ins Gespräch mit anderen Reisenden. Geteiltes Leid ist halbes Leid! Und die Routine des Zugbegleiters beim Austeilen des Fahrgastrechteformulars ist gut erkennbar – ein kleines Schmunzeln nur unter der Maske. Hier kommt doch wieder die gute alte "Schaffnerzange" zum Einsatz. Und wir Fahrgäste sind beschäftigt mit dem analogen Ausfüllen. Kinder bekämen zur Überbrückung der Verspätungszeit ein Malbuch und Stifte.

Fazit: Reisen in der Zwischenwelt sind schon ein wenig anders. Manches ist wie vorher, manches aber auch nicht und ist gewöhnungsbedürftig. Aber: Ich habe mal wieder etwas gemeinsam, face-to- face und persönlich mit Kollegen erarbeitet. Das tut gut! Der Mensch lebt nicht nur in der virtuellen Welt – dann wären wir ja alle wie Pepper, der kleine Roboter ohne Empathie. Ergänzend sind Videokonferenzen gut, ja, aber bitte nicht ausschließlich. Jetzt ist erstmal Wochenende und am Montag Homeoffice - da freu ich mich jetzt aber drauf und komm ohne Verspätung hoffentlich an meinen PC – bis zur nächsten Dienstreise.